Das RSI-Syndrom: Gefahr für Medizinische Schreibkräfte

16. August 2015

Fast jede Sekretärin kennt es und jede Schreibkraft fürchtet dieses Krankheitsbild. In Amerika und Australien gilt es bereits als Berufskrankheit: Das Repetitive Strain Injury-Syndrom (RSI-Syndrom).

Das RSI-Syndrom ist aufgrund seiner vielen verschiedenen Ausprägungen schwer zu diagnostizieren, denn typische Symptome können auch auf andere Krankheiten hindeuten. Meist nehmen Betroffene die ersten Anzeichen kaum wahr oder erkennen es nicht als Krankheitssymtpom, wenn beispielsweise morgends die Finger steif sind. Nehmen die Symptome zu und wird dann endlich reagiert, ist das Krankheitsbild bereits deutlich fortgeschritten. Lange Arbeitsunfähigkeit kann die Folge sein. Dabei sind es tatsächlich kleine Maßnahmen, die mit wenig Aufwand einer gesundheitlichen Beeinträchtigung vorbeugen können.

Das Repetitive Strain Injury-Syndrom (RSI) wird durch wiederholte schädigende Einwirkung auf Körperregionen verursacht. Das trifft typischerweise auf Schreibkräfte zu, denn beim Tastaturschreiben erhalten Finger und Hände stundenlang gleichförmige Schläge auf die Gelenke. Die Folge können Nervenentzündungen, Muskelkrämpfe, Kopfschmerzen, Verspannungen und dauerhafte Schmerzzustände sein. Landläufig bekannt ist das RSI-Syndrom auch als sogenannter "Mausarm" oder "Tennisarm", wobei in der Medizin das RSI-Syndrom noch weitere Krankheitsbilder beschreibt. Medizinische Schreibkräfte berichten häufig über Symptome, die dem RSI-Syndrom zuzuordnen sind: Kalte Hände auch im Sommer, Ameisenlaufen in den Fingern, Einschlafen der Finger bei Nacht, verspannte Nacken-Schulter-Region. Jedes dieser Symptome kann aber auch Zeichen für andere Ursachen sein und sollte ärztlicherseits genau abgeklärt werden.

Medizinische Schreibkräfte sind besonders gefährdet, weil sie als intensive Tastaturschreiber in überwiegend starrer Körperhaltung arbeiten. Die Tätigkeit an sich lässt kaum einen Wechsel der Körperposition zu, schnelles Abarbeiten der Aufträge unter Zeitdruck erfordert gespannte Nerven und Muskulatur. Beim schnellen Tastaturschreiben bleiben Arme und Hände immer in der gleichen - im Handgelenk meist abgewinkelten - Position, die Finger "klopfen" mit Kraft rhythmisch auf die Tasten. Das Bedienen des Fußschalters bedarf nur einer kleinen Vorderfußbewegung. Gerade in den letzten Jahren hat sich durch die Digitalisierung der Diktate das Bewegungsmuster der Schreibkräfte noch weiter reduziert: Musste man früher noch aufstehen, um Kassetten und Unterlagen für die Fortsetzung der Arbeit zu holen, erscheinen heute alle Diktate auf dem Monitor, so dass die Arbeit ohne Unterbrechung fortgesetzt werden kann. Und im Zeitalter des Desk-Sharing in Büros - ein beliebtes Modell bei Teilzeitkräften - wird auf die individuelle Anpassung des Arbeitsplatzes auf seine eigenen Körpermaße eher verzichtet.

Von der Medizinischen Schreibkraft wird höchste Aufmerksamkeit gefordert. Schließlich kann der berühmte Schreibfehler "ein Bein" oder "kein Bein" zu erhöhtem Risiko für den Patienten führen. Bei dieser Anspannung ist der Bereich Kopf-Nacken-Schulter stundenlang unter Dauerstress. Die Muskulatur, Wirbel und Gelenke werden dabei schlechter durchblutet und die Schreibkraft empfindet meist in den Fingern zuerst ein unangenehmens Kältegefühl. Kommt extreme Fehlhaltung hinzu - wie es beispielsweise beim Tastaturschreiben ohne Handgelenksauflage der Fall ist - entstehen die ersten Krankheitsbilder wie Gelenksentzündung, Sehnenscheidenentzündung oder Karpaltunnelsyndrom. In diesem Stadium angekommen, kann sich der Körper nur durch konsequente Schonung wieder erholen. 

Wie können Medizinische Schreibkräfte dem RSI-Syndrom vorbeugen?

Ergonomie ist das Zauberwort. Büromöbelhersteller haben sich längst demThema Ergonomie am Arbeitsplatz angenommen: Beispielsweise mit höhenverstellbaren Arbeitstischen und Bürostühlen lässt sich die Arbeitshöhe für jede Körpergröße passend schnell einstellen. Schreiben Sie doch mal im Stehen! Durch hydraulische Systeme im Tischgestell kann die Tischplatte rauf- oder runtergefahren werden, so dass zwischen stehender und sitzender Posititon schnell gewechselt werden kann. Flexible Rückenlehnen am Stuhl stützen die Wirbelsäule und lassen gleichzeitig Bewegung zu. Häufig sind an den Schreibarbeitsplätzen aufgestapelte Bücher anzutreffen: als Monitor-Standfuß gerade noch zu akzeptieren, aber als Fußstütze sind sie denkbar ungeeignet. Für Schreibkräfte sind Fußstützen, deren Höhe und Neigungswinkel einstellbar sind nicht nur ergonomisch besser sondern auch sicherer. Manche Fußstützen verfügen über eine Aussparung für den Fußschalter, damit der Fuß nicht abrutschen kann oder eine Heizung, die für warme Füße sorgt.

Das wichtigste Arbeitsmittel der Schreibkraft ist gleichzeitig für deren Gesundheit am bedeutendsten: Die Tastatur. In abgewinkelter Form, mit gefedertem Tastenanschlag und weiteren Merkmalen tragen ergonomische Tastaturen wesentlich zur Prävention von Verschleißerkrankungen bei Schreibkräften bei. Ein Must-have für jeden Schreibarbeitsplatz! Die Schreibkraft nimmt beim Schreiben auf der angewinkelten Tastatur automatisch eine ergonomisch bessere Körperhaltung ein. Obwohl es Vielschreibern am Anfang schwer fallen wird, mit abgespreizteren Fingern auf dieser Tastatur die gewohnte Schreibgeschwindigkeit zu halten, bedarf es erfahrungsgemäß nur weniger Tage Übung, bis die Umstellung gelungen ist. Die Mühe zahlt sich aus! Von Betroffenen ist zu erfahren, dass sich erste RSI-Symptome allein durch den Tausch der Tastatur regeneriern ließen. 

Tipps für Medizinische Schreibkräfte zur Vorbeugung eines RSI-Syndroms

  • Achten Sie auf eine ergonomische Ausstattung Ihres Schreibarbeitsplatzes. Hinweise erteilen Betriebsärzte, Berufsgenossenschaften, Büromöbelhersteller oder Krankenkassen (siehe unsere Linkliste).
  • Legen Sie stündliche Bewegungspausen ein, in denen Sie kurz Ihre Gelenke und Muskulatur lockern (Beispiele finden Sie in unseren Videos).
  • In der ganzheitlichen Medizin werden Symptome auf ihre "Fernwirkung" hin betrachtet. Notieren Sie deshalb alle Symptome, die Ihr Befinden beeinträchtigen und lassen Sie sich regelmäßig ärztlich untersuchen.
  • Nutzen Sie kleine Hilfsmittel wie Gelkissen oder Körnerkissen, um Ihren Gelenken Gutes zu tun. 
  • Tauschen Sie sich mit anderen Kollegen/Kolleginnen in unseren Netzwerken aus. Geben Sie Ihre Tipps weiter und erfahren Sie selbst, welche vorbeugenden Maßnahmen sich bei anderen bewährt haben. Sie finden uns auf twitter, facebook und XING.

Quellen:

Foto „Black Garden Ant tending Citrus Mealybug (15878134959)“ von Katja Schulz from Washington, D. C., USA

Büromöbel - Ergonomie-Kompetenzzentrum

Information der Berufgenossenschaft - Bildschirm- und Büroarbeitsplätze

Was ist das RSI-Syndrom?

Finger-Gymnastikübungen

 

 

Bildquelle: „Black Garden Ant tending Citrus Mealybug (15878134959)“ von Katja Schulz from Washington, D. C., USA - Black Garden Ant tending Citrus Mealybug. Lizenziert unter CC BY 2.0 über Wikimedia Commons



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